Dr. Stefan Lang am 13. Mai 2022

Schreibtypen bei der Doktorarbeit: Wer ein hohes Blockade-Risiko hat


Kategorie Doktorarbeit strukturieren und schreiben

Manche Promovierenden qälen sich durch den Schreibprozess, schreiben Wort für Wort dem Ende entgegen und löschen am Ende des Tages ganze Passagen ihres Textes wieder. Uneffektiv. Und wenn die Frustration überhand nimmt, droht die Schreibblockade. Bei einer Doktorarbeit, sind bestimmte Schreibtypen besonders anfällig für Schreib-Frust und Schreib-Probleme.

Wie vermeide ich bei meiner medizinischen Doktorarbeit uneffektives Schreiben, wie kann ich einer Schreibblockade vorbeugen? Nach meiner Erfahrung sind es ganz bestimmte Persönlichkeiten oder Schreibtypen, die ein besonders hohes Risiko haben, ihre Doktorarbeit sehr uneffektiv zu schreiben oder gar eine Blockade zu erleiden.

In diesem Blogbeitrag (und in dem 7,5-minütigen Video ganz unten auf der Seite) stelle ich diese Schreibtypen vor und präsentiere passende Strategien, um effektiver zu schreiben und Schreib-Frust oder Schreib-Stau zu vermeiden.

Schreibtypen Doktorarbeit: Vier Risikogruppen

Die Akribischen

Eigentlich kein schlechter Charakterzug für einen Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin, besonders akribisch zu sein. Doch die Akribischen fokussieren sich ausschließlich auf Details, versuchen in jedem einzelnen Satz die 100%ige Wahrheit inklusive aller möglichen Details zu formulieren – obwohl sich viele Dinge auch aus dem Kontext ergeben.

Die Arbeit an einem Satz dauert so eine Ewigkeit, der Satz wird immer länger und auch unverständlicher und das Schreibprojekt geht nicht voran. Das geht effektiver!

Die passende Strategie: Perspektivwechsel, weg von den Details und hin zu einem völlig unakribischen Gesamtbild.

Überlege zunächst mit ganz einfachen Worten, was du in einem Satz oder Absatz überhaupt sagen möchtest. Erst wenn diese Message feststeht, sammelst du die Details, die du benötigst. Streiche die Informationen, die sich bereits aus dem Kontext ergeben. Anschließend formulierst du deinen Text (Textbeispiel im Video).

Die Unsicheren

Ist man beim Schreiben der medizinischen Doktorarbeit zu unsicher, löscht man zu voreilig seinen Text. Das kann eine Ursache für eine Schreibblockade sein.

Die Unsicheren sind nie zufrieden. Kaum haben sie etwas geschrieben, finden sie ihren Text auch schon wieder banal, blöd oder zu unwissenschaftlich… und löschen ihn sofort wieder. So geht die Arbeit an der Dissertation natürlich nicht voran.

Hier hilft der strukturierte Schreibprozess aus [1] Konzept, [2] Gliederung, [3] Schreiben und [4] Überarbeitung (beschreibe ich im Detail hier: Die medizinische Doktorarbeit: Schreiben mit System).

Die passende Strategie: Trenne konsequent das Schreiben der ersten Manuskriptversion von der stilistischen und sprachlichen Überarbeitung.

Verbessere deinen Text erst dann, wenn du die komplette erste Version deiner Doktorarbeit geschrieben hast. Du wirst sehen: Im Gesamtkontext deines Textes klingen die einzelnen Sätze plötzlich gar nicht mehr banal.

By the way: Vielleicht kommendir deine Sätze nur deswegen banal vor, weil du mit dem Inhalt extrem gut vertraut bist. Für Leser und Leserin deiner Doktorarbeit sieht das ganz anders aus…

Die Abgelenkten

Bei den Abgelenkten muss immer etwas los sein, sie können nicht allein sein. Das Smartphone liegt neben der Tastatur und jede Whats App ist willkommener Anlass, das Schreibprojekt zu unterbrechen.

Die passende Strategie: Handy-Verbot. Lege dein Smartphone in die Küche oder aufs Klo und verliere am besten auch das Ladekabel. Versuche zuerst 15-30 Minuten durchzuhalten und steigere dein Pensum dann schrittweise auf ca. 3 Stunden. So wirst du gut vorankommen.

Die Planfreien

„Planfrei“ meine ich überhaupt nicht wertend. Es sind meist Menschen, die mit maximaler Motivation beginnen und sich mit 1000 Ideen im Kopf ans Werk machen. Sie kapitulieren meist vor den vielen Details – zu viele Daten, zu viele Ideen, zu viele formale Anforderungen. Wenn man das nicht gedanklich etwas ordnet, muss man mit seiner Doktorarbeit scheitern.

Die Planfreien brauchen also eine Struktur, um die vielen Details zu ordnen. Auch hier hilft der strukturierte Schreibprozess.

Die passende Strategie: Konzentriere dich auf die Gliederung. Erstelle eine detailreiche Gliederung und ordne die vielen Informationen den einzelnen Gliederungspunkten zu.

Halte dich außerdem an das Vorgehen, dass ich oben skizziert habe: [1] Konzept, [2] Gliederung, [3] Schreiben und [4] Überarbeitung. So wirst du leicht den Überblick behalten.

Strategien für Risiko-Schreibtypen: So schreibst du deine Doktorarbeit erfolgreich zuende

Wenn es mit den bisherigen Schreibgewohnheiten nicht klappt, sollte man sie komplett auf den Kopf stellen: Wer zu akribisch ist, beginne seine Sätze und Absätze mit einer einfachen Message. Wer zu unsicher ist, sollte nur nach vorne, aber nicht zurück blicken. Hüte dich davor, zu Beginn eines Arbeitstages zuerst einmal das am Vortag Geschriebene zu verbessern (oder zu löschen). Wer sich leicht ablenken lässt, begebe sich in Klausur – ohne Smartphone. Wer planfrei ist, halte sich an eine Anleitung.

Es gibt also für alle Schreibtypen eine Lösung, effektiv an der Doktorarbeit zu schreiben. Die Lösung fällt vielleicht nicht vom Himmel. Oft muss man nicht nur an seinen Gewohnheiten arbeiten, sondern auch äußere Umstände optimieren.

Erklärvideo: So vermeiden Sie uneffektives Schreiben

Tipps zum Schluss

Wenn einmal wirklich nichts mehr geht (Schreibblockaden), hilft vielleicht eine Auszeit. Und wenn das auch nichts mehr bringt, solltest du keine Hemmungen haben, dir professionelle Hilfe zu suchen. An vielen Universitäten gibt es Beratungsstellen, die dir sicher weiterhelfen können.

Beratungsstellen (Auswahl, keine vollständige Liste)


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