Dr. Stefan Lang am 03. März 2026

Abbildungen und Tabellen in der Wissenschaft


Kategorie Daten auswerten & darstellen

Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Medizin und Biologie investieren Monate in ihre Experimente, um gute Daten zu generieren, aber vernachlässigen dann deren Darstellung. Das heißt: Sie kümmern sich zu wenig um die Abbildungen und Tabellen ihrer Doktorarbeit oder ihres Originalartikels.

Aber Daten sind nicht selbsterklärend. Sie benötigen Struktur, eine visuelle Sprache. Wer das ignoriert, riskiert, dass an sich gute Ergebnisse nicht überzeugen oder falsch interpretiert werden. Dieser Übersichtsartikel zeigt dir, wie du wissenschaftliche Abbildungen erstellen und Tabellen medizinisch korrekt in deiner Doktorarbeit oder in deinem Paper einsetzen kannst, sodass deine Forschung ernst genommen wird.

Wissenschaftliche Abbildungen für die wichtigsten Daten

In wissenschaftlichen Arbeiten übernehmen Abbildungen eine zentrale Rolle. Gutachter und Gutachterinnen lesen selten linear. Sie springen direkt in den Ergebnisteil und landen ziemlich schnell bei den Abbildungen. Daher müssen Abbildungen selbsterklärend sein und die Message exakt auf den Punkt bringen. Klare Abbildungen für wissenschaftliche Publikationen zu erstellen, bedeutet daher auch, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Unwichtiges wegzulassen.

Der richtige Diagrammtyp entscheidet über Verständlichkeit

Die Wahl des richtigen Abbildungstyps ist keine Geschmacksache und hängt nicht von optischen Überlegungen ab. Die Daten entscheiden, ob man eher Primärdaten (Fotos, mikroskopische Aufnahmen) zeigt, die auch die Qualität des Experimentes dokumentieren oder Sekundärdaten (Diagramme), in denen Daten meist zusammengefasst werden.

Wissenschaftlerin erstellt eine wissenschaftliche Abbildung für ihre Doktorarbeit

Unter den Diagrammen muss man dann den richtigen Typ auswählen. Ein Balkendiagramm mit vertikal stehenden Balken nimmt man bei ordinalen Daten, die eine logische Reihenfolge haben (z.B. ansteigende Dosierung). Bei nominalen Daten nimmt man dagegen liegende Balken, die man sinnvollerweise so anordnet, dass das wissenschaftliche Ergebnis direkt sichtbar wird (z.B. Symptome, nach Häufigkeit geordnet).

Für kontinuierliche Daten, Verteilungen und Zusammenhänge sind Box-Whisker-Plots, Scatterplots und der Stacked Bar Graph deutlich aussagekräftiger. Den “Box and Whisker Plot” brauchen wir, wenn wir auf einen Blick Lage des Medians sowie die Streuung der Daten darstellen möchten. Beim Streudiagramm (Scatterplot) haben wir zwei statistische Merkmale, die in einem Koordinatensystem eingetragen werden, sodass man eine Korrelation beider Merkmale erkennen kann. Der Stacked Bar Graph besteht aus größeren Einheiten (Balken), die jeweils in kleinere Kategorien aufgeteilt sind (stacked).

Diagramme können aber auch ganz einfach sein. Ein Tortendiagramm bietet sich etwa bei klassischen Verteilungsdaten an. Bei kategorischen bzw. nominalen Daten (z.B. Geschlecht, Blutgruppen, Ergebnisse von Umfragen) ist ein Tortendiagramm immer eine gute Lösung.

Tabellen: Struktur und Präzision

Doktorand der Medizin erstellt eine wissenschaftliche Tabelle für seine Doktorarbeit

Während Abbildungen vor allem Muster sichtbar machen, liefern Tabellen exakte Informationen. Gerade in der Medizin sind Tabellen oft unverzichtbar, etwa bei Patientenkollektiven oder Laborparametern. Eine Tabelle medizinisch sauber zu gestalten, bedeutet, Struktur mit Präzision zu kombinieren.

Struktur und Präzision beginnen bereits beim Tabellentitel: Dieser sollte die wichtigsten Untersuchungsparameter nennen: Was wurde verabreicht, was wurde gemessen? Sonstige Erklärungen kommen dagegen in die Fußnote.

Viele Tabellen sind aufgrund der geforderten Präzision sehr umfangreich und man fragt sich, wie man sie auf einer Seite unterbringen kann. Aber keine Panik, hier findest du wichtige Tipps: Tabelle zu groß für die Doktorarbeit?

Legenden und Beschriftungen

Legenden sind keine Formalität, denn sie sorgen dafür, dass eine Abbildung selbsterklärend ist (wichtige wissenschaftliche Anforderung). Und: Abbildungslegenden und Tabellentiel gelten als „Power Position“. Das sind Textstellen, die von Leser und Leserin mit einer erhöhten Aufmerksamkeit wahrgenommen werden.

Abkürzungen sollten daher konsequent in der Abbildungslegende erklärt werden, auch wenn man das im Haupttext bereits getan hat. Nichts wirkt unprofessioneller als eine Abbildung, die nur mit Insiderwissen lesbar ist.

Auch der Verweis auf Abbildungen oder Tabellen, den man im Text platziert, ist wichtig. Hier werden häufig Fehler gemacht, die einen Text unprofessionell wirken lassen. Im Prinzip gehört der Verweis auf eine Abbildung oder Tabelle immer zu der Information, die durch die Abbildung illustriert wird oder die aus einer Tabelle hervorgeht. Das kann das Satzende sein, muss aber nicht.

Wissenschaftliche Poster: andere Regeln, gleiche Sorgfalt

Promovierende der Medizin präsentiert ein wissenschaftliches Poster

Poster enthalten immer Abbildungen und Tabellen und deren Darstellung ist auf dem Poster noch wichtiger als bei Doktorarbeiten oder Originalartikeln. Wissenschaftliche Poster sollten immer professionell und visuell ansprechend gestaltet werden. Ein Poster ist kein kondensierter Fachartikel, sondern ein visuelles Gesprächsangebot, ein illustrierter Abstract. Nicht mehr und nicht weniger.

Glaube also nicht irgendwelchen Mythen über wissenschaftliche Poster, die man online so lesen kann. Gute Poster setzen Abbildungen gezielt ein, führen Leser und Leserin intuitiv durch die Inhalte und funktionieren auch dann, wenn du nicht danebenstehst. Daher ist eine optische Leserführung besonders wichtig. Ob PowerPoint oder professionelle Designsoftware: Entscheidend ist nicht das Tool, sondern Klarheit und Struktur des Posters.

Fazit

Abbildungen und Tabellen entscheiden darüber, ob deine Forschung gesehen, verstanden und ernst genommen wird. Es genügt daher nicht, formal korrekte Abbildungen oder Tabellen zu erstellen. Nimm dir die Zeit, intensiv an Abbildungen und Tabellen zu arbeiten, damit sie Leser und Leserin überzeugen. Es wird sich lohnen.

FAQ: Abbildungen und Tabellen in Doktorarbeit und Paper

Warum sind Abbildungen in wissenschaftlichen Arbeiten so entscheidend?

Abbildungen können die Kernaussage deines Textes eindrucksvoll illustrieren und hervorheben. Das stärkt deine Argumentation. Voraussetzung ist, dass eine Abbildung direkt verstanden werden kann, also zusammen mit der Legende selbsterklärend ist.

Was macht eine gute wissenschaftliche Abbildung aus?

Sie ist selbsterklärend und transportiert eine klare Botschaft. Sie ist übersichtlich gestaltet und unterstützt den Text deiner Doktorarbeit oder deines Papers visuell.

Wann sind Tabellen besser als Abbildungen?

Wenn Präzision gefragt ist. Tabellen liefern exakte Werte. Abbildungen illustrieren Vergleiche, Zusammenhänge oder Muster. Tabellen bieten die Möglichkeit, Zahlen und Daten „auszulagern“, damit der Text des Ergebnisteils möglichst schlank und „direkt auf den Punkt“ bleiben kann.


Autor: Dr. Stefan Lang – Medical Writer & Schreibtrainer seit mehr als 20 Jahren: >160 Publikationen | >250 Workshops (Doktorarbeit, Research Paper, klin. Fachtexte) | Service-Angebot: scientific-medical-writing.de