Dr. Stefan Lang am 03. März 2026

Präzision im Scientific English: Warum ungenaues Englisch dein Paper schwächt


Kategorie Scientific English

Wir arbeiten in einer sehr präzisen Wissenschaft – mit eindeutig definierten Zelltypen und Molekülen, exakten Konzentrationen, klaren Messergebnissen und präzisen Schlussfolgerungen. Das muss sich auch in der Sprache widerspiegeln. Wer ein Paper publizieren möchte, wird nicht an seinen allgemeinen Englischkenntnissen gemessen, sondern an der Präzision seines Scientific English.

Reviewer reagieren auf Ungenauigkeiten im Scientific English sehr sensibel. Das ist keine Pedanterie. Vielmehr signalisieren ungenaue Begriffe und schwammige Formulierungen methodische Schwächen oder unklare Ergebnisse. Präzision ist also kein Stilmittel, sondern ein Qualitätskriterium beim Scientific English Schreiben.

Exakt ausdrücken: Häufigkeit und Zeitpunkt

Häufigkeit korrekt benennen

Präzises Schreiben auf Englisch zeigt sich im Scientific Paper besonders an der Beschreibung der Häufigkeit. Statt vager Alltagsformulierungen (frequently) verlangt das Wissenschaftsenglisch eine klare Abstufung: von never (0 %) über occasionally (< 50 %) undfrequently (> 50 %) bis every time (100 %). Da dies jedoch meist nicht genügt, sollte man dieses Grundrepertoire erweitern um generally, usually oder regularly für häufige Ereignisse sowie rarely oder hardly ever für seltene.

Zur sprachlichen Präzision gehört übrigens auch die korrekte Wahl zwischen almost und nearly. Almost steht im Scientific English vor Adverbien, Adjektiven, Pronomen und Präpositionen, währendnearly nahezu ausschließlich mit Zahlen und Messwerten kombiniert wird (nearly 20 %, nearly 5-fold).

Präzision im Scientific English: wann genau, wie oft und wie lange?

Auch Zeitpunkt und Dauer müssen im Scientific English korrekt beschrieben werden. Since bezeichnet einen klar definierten Beginn, der bis in die Gegenwart reicht, während for die Länge eines Zeitraums ohne fest benannten Startpunkt beschreibt. During wird verwendet, wenn ein Ereignis irgendwann innerhalb eines meist unbestimmten Zeitraums eintritt, wohingegen throughout eine durchgehende, kontinuierliche Dauer ausdrückt – ein kritischer Unterschied etwa bei der Überwachung von Patienten. Nachzulesen in meinem Artikel Sag mir quando: ’seit‘ und ‚während‘ im Scientific Writing.

Genau bleiben im Scientific English: Wie sicher sind deine Daten?

Wer wissenschaftliche Texte auf Englisch schreiben will, muss in gerade in den Results und in der Discussion Farbe bekennen und erklären, wie sicher die eigene Interpretation der Daten ist. Du solltest dich also eindeutig positionieren: von „100%ig belegt“ über „sehr wahrscheinlich“ bis hin zu einer lediglich „plausiblen Erklärung“. Diese Abstufung erfolgt über präzise grammatische Mittel wie etwa Modalverben (must, should, may, could, might).

Eindeutig positionieren bedeutet jedoch auch, dass man nicht jedes Ergebnis oder jeden Befund sprachlich abschwächt, nur um sich ja nicht angreifbar zu machen. Wer mehrere Unsicherheitsmarker kombiniert (suggest, might, potentially) wirkt sehr unsicher.

Kausalität, Zusammenhang und Vergleich präzise formulieren

Kausale Zusammenhänge sauber darstellen

Drei Forschende unterhalten sich über die Feinheiten des Scientific English

Um ein solides wissenschaftliches Englisch zu lernen, sollte sich mit den kausalen Zusammenhängen im Research Paper beschäftigen. Im Scientific English lässt sich „A verursacht B“ nicht immer absolut sicher formulieren – die Wortwahl muss den Grad der Sicherheit widerspiegeln: von eindeutiger Ursache-Wirkung (to cause, to be due to) über wahrscheinliche Zusammenhänge (it seems that; the evidence suggests) bis hin zu einer vielleicht indirekten Beteiligung (to contribute to, to be linked to). Hier lohnt es sich auf jeden Fall, das einmal im Detail nachzulesen.

Vergleiche und Unterschiede korrekt benennen

Im Scientific English ist bei Vergleichen oft der einfache Komparativ mit than klarer als die Floskel when compared to. Denn der Komparativ (higher than) erklärt nicht nur, dass es einen Unterschied gibt (wie bei compared to), sondern benennt auch dessen Richtung. Ebenso wichtig ist der korrekte Gebrauch von between und among: between für klar benannte Elemente und among für unspezifische Gruppen oder mehrere Bestandteile. Wer diese Regeln beherrscht, v schreibt klar präzise wissenschaftliche Texte auf Englisch.

Präzise Terminologie in Studien und klinischer Forschung

Wer wird untersucht?

Wissenschaftliches Englisch ist zwar keine Geheimsprache, aber ein paar etablierte Fachbegriffe muss dann doch lernen. Ob man Teilnehmer als patients, subjects oder participants bezeichnet, hängt vom Studiendesign ab: gesunde Probanden sind subjects, Patienten mit einer Diagnose patients, während participants neutral alle Studienteilnehmer umfasst. Ebenso wichtig ist die korrekte Benennung von Studienpopulation, Stichprobe und Gruppen, z. B.target population, study population, sample, sowie die Definition von Einschluss- und Ausschlusskriterien (inclusion/exclusion criteria), Randomisierung (study group, treatment arm) und der Umgang mit Abbrüchen oder fehlenden Daten (dropouts, losses to follow-up).

Gerade klinische Studien erfordern also eine besonders präzise Ausdrucksweise. Daher ist es gut, sich zu den Fachbegriffen in klinischen Studien zu informieren (cohort, arm, group; per-protocol vs. intention-to-treat). Eine interessante Frage ist übrigens auch, ob es genügt „XY patients“ zu schreiben, wenn man „XY treated patients“ meint. Spoiler: Wenn der Kontext eindeutig ist, genügt es.

Entscheidende Fachwörter: Interventionen und Effekte korrekt benennen

Wissenschaftliche Fachwörter beziehen sich im medizinischen Englisch natürlich häufig auf das Verabreichen von Medikamenten. Einfache Methoden verlangen einfache Verben: To give, to inject oder to infuse sind im Originalartikel meist die bessere Wahl, während to administer nur bei komplexen oder mehrstufigen Behandlungsschemata angebracht ist.

Eine Waage ist ein präzises Instrument

Umgekehrt erhalten (to receive) Patienten ein Medikament, sie sind oder waren aber nicht „auf“ einem Medikament (were on medication). Das wäre ein Mediziner-Jargon, der im Originalartikel nicht angebracht ist. Patienten reagieren (to respond) auf eine Therapie oder eben nicht, aber sie zeigen nicht das Ausbleiben einer Reaktion (showed lack of response). „Zeigen“ – auch das ist typischer Medizin-Jargon.

Fazit: Präzision im Scientific English als wissenschaftliche Haltung

Präzision im Scientific English ist keine Stilfrage, sondern Ausdruck wissenschaftlicher Haltung: Mit deinem Text übernimmst du Verantwortung für die Verständlichkeit und Belastbarkeit deiner Aussagen. Eine ungenaue Wortwahl, ein oberflächlicher Jargon oder übervorsichtige Absicherungen schwächen nicht nur den Text, sondern stellen deine methodische Sorgfalt infrage.

FAQ zur Präzision im Scientific English

Warum ist Präzision so wichtig im Scientific English?

Präzise Formulierungen zeigen, dass du deine Methoden genau verstanden und deine Daten solide interpretiert hast. Eine unscharfe Sprache wird immer als Hinweis auf methodische Schwächen oder unsaubere Analysen gewertet.

Wie beschreibe ich die „Häufigkeit“ im Scientific English korrekt?

Wenn du die „Häufigkeit“ mit Worten beschreiben willst, dann halte dich an diese Abstufung: [0 %] never → [5 %] hardly ever → [10 %] rarely → [30 %] occasionally → [50 %] as often as not →  [70 %] frequently → [80 %] regularly →   [90 %] generally → [100 %] every time

Welche typischen Unschärfen sollte ich in den Results und in der Discussion vermeiden?

Vermeide, dass sehr vorsichtige Formulierungen wie „suggest“, „might“ oder „potentially“ sowie unpräzise Kausalitätsangaben („is associated with“) gehäuft auftreten. Formuliere stattdessen klar, wie sicher deine Interpretation ist.


Autor: Dr. Stefan Lang – Medical Writer & Schreibtrainer seit mehr als 20 Jahren: >160 Publikationen | >250 Workshops (Doktorarbeit, Research Paper, klin. Fachtexte) | Service-Angebot: scientific-medical-writing.de