Dr. Stefan Lang am 05. April 2018

Klinische Studien: Phasen der Arzneimittelzulassung


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Um zugelassen werden zu können, muss ein Medikament die klinischen Studienphasen I bis IV durchlaufen. Doch die Entwicklung und Erprobung eines Medikamentes beginnt natürlich schon viel früher. Erfahre hier mehr über die Phasen der Arzneimittelzulassung

Die experimentellen Studien (Interventionsstudien) zur Medikamentenzulassung lassen sich in die klinischen Phasen I bis IV einteilen. Zusätzlich gibt es eine präklinische Phase und optionale Phase-0-Studien.

Phasen der Arzneimittelentwicklung und Arzneimittelzulassung

  1. Präklinische Phase

    Entwicklungsphase in Zellkultur und/oder Tiermodell mit Identifikation eines therapuetischen Ziels und Auswahl, Entwicklung und Testung eines geeigneten Wirkstoff.

  2. Phase-0

    Erste Arzneimitteltetst an gesunden Freiwilligen mit sehr geringen Dosen, um Resorption und Metbalismus zu analysieren.

  3. Phase-1

    Studien an gesunden Probanden, um pharmakokinetische und pharmakodynamische Daten sowie Daten zum Sicherheitsprofil zu erhalten.

  4. Phase-2

    Proof of concept (a) oder Dosisfindung (b) an einer kleinen Anzahl von Patienten der entsprechenden Indikation.

  5. Phase-3

    Analyse von Wirksamkeit und Verträglichkeit im Vergleich zu einer Standardmedikation oder Placebo (große Zulasungsstudien).

  6. Phase-4

    Langzeit-Beobachtungsstudien, um Wirksamkeit, Verträglichkeit und Wechselwirkungen im Praxisalltag zu untersuchen.

Grafik zu den Phasen der Arzneimittelzulassung

Präklinische Phase: Entwicklung

Vor der Arzneimittelzulassung muss in der präklinischen Forschung natürlich erst einmal das therapeutische Ziel identifiziert werden (target identification) – soll der Wirkstoff einen Rezeptor blockieren oder aktivieren, ein Enzym regulieren, entartete Zellen oder Erreger bekämpfen? Entsprechend wird dann ein Wirkstoff ausgewählt (compound selection) und optimiert und ausgiebig in Zellkultur und im Tierversuch getestet, um erste Daten zur Wirkung, Dosis und möglichen Toxizität zu erhalten.

Phase 0: Resorption und Metabolismus

Zur präklinischen Phase zählen auch die „optionalen“ Studien der „Phase-0“. Hier werden sehr geringe Dosen der Wirkstoffes an gesunden Freiwilligen getestet, um Daten zur Resorption, zum Metabolismus und zu den Abbauprodukten des Wirkstoffes zu erhalten (Pharmakokinetik).

Phase I: Pharmako-Daten

Auch Phase-1-Studien werden meist an gesunden Probanden durchgeführt. Ziel ist es, pharmakokinetische und pharmakodynamische Daten sowie Daten zum Sicherheitsprofil des Wirkstoffes zu erhalten. Auf der Grundlage dieser Daten wird die geeignete Darreichungsform des Medikamentes ausgewählt. (→ Pharmakokinetik)

Hat ein Medikament toxische oder andere schwere Nebenwirkungen, wird es in dieser Phase nicht an gesunden Freiwilligen, sondern an Patienten getestet, für die die Studienteilnahme eine Chance sein kann.

Phase II: Proof of concept (a) oder Dosisfindung (b)

Hier wird das Medikament zunächst an einer kleinen Anzahl von Patienten der entsprechenden Indikation eingesetzt, um Wirksamkeit und Verträglichkeit (proof of concept: phase IIa) und/oder Dosierung (phase IIb) zu testen.

Phase III: Arzneimittelzulassung

Phase-III-Studien sind klinische Studien mit einer großen Anzahl an Patienten – Wirksamkeit und Verträglichkeit muss im großen Maßstab bestätigt werden. Dabei wird das Medikament mit einer Standardmedikation oder Placebo verglichen. Ziel der Phase-III ist die Arzneimittelzulassung.

Phase IV: Beobachtung

Phase-IV-Studien finden also nach der Zulassung statt (post-marketing). In der Regel sind dies Langzeit-Beobachtungsstudien (surveillance studies), um Wirksamkeit, Verträglichkeit und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten im Praxisalltag zu untersuchen.

Teilnehmerzahl und Beobachtungsdauer sind sehr viel größer als in Phase-III-Studien, sodass auch sehr seltene Nebenwirkungen erfasst werden können.

Bei der Durchführung der klinischen Studien helfen die Studienprotokolle und  SOP´s (Standard Operating Procedure). Beim Schreiben und Publizieren hilft das Paper-Protokoll.

Dr. Stefan Lang

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