Dr. Stefan Lang am 10. Mai 2018
Stress beim Schreiben der Doktorarbeit: 5 typische Stressfaktoren
Kategorie Doktorarbeit strukturieren und schreiben
In meinen Scientific-Writing-Workshops begegne ich immer wieder Teilnehmende, die Stress beim Schreiben ihrer Doktorarbeit haben. Unter Druck schreiben zu müssen, führt selten zu guten Texten – daher versuche ich hier einmal, dem Phänomen ‚Schreib-Stress‘ auf den Grund zu gehen und dir fünf typische Stressfaktoren zu nennen, die du vermeiden kannst.
Diese Stressfaktoren behandelt mein Post:
| Stressfaktor | Was hilft? |
| Software | Technik vor Schreibbeginn klären |
| fehlender Plan | Konzept und Story zuerst definieren |
| spätes Feedback von Betreuer/Betreuerin | Aufbau und Struktur früh abstimmen |
| Perfektionismus | Schreiben und Überarbeiten trennen |
| Multitasking | Aufgaben phasenweise bearbeiten |
Software und technische Probleme
Das betrifft vor allem Promovierende im Fach Medizin. Wer während des Studiums fast keinen zusammenhängenden Text schreiben muss, befasst sich nie intensiv mit Word & Co. beschäftigt. Dann erscheinen Seitenzahlen nicht da, wo sie sollen, und das Literaturverzeichnis sowie das Layout der Doktorarbeit sehen aus wie Kraut und Rüben?

Das alles sind jedoch keine wirklichen Probleme – Online-Tutorials und Ratgeberliteratur zu diesen Fragen gibt es zuhauf.
Zu Problemen werden diese Fragen, wenn man sich erst spät im Schreibprozesses damit beschäftigt – oder sogar erst knapp vor dem Abgabetermin der Doktorarbeit.
Denn dann bricht alles gleichzeitig über einem hinein: wissenschaftliche Fragen, formale Fragen und eben Software-Fragen.
- Abhilfe: Sich rechtzeitig vor Beginn des Schreibprozesses mit seiner Software beschäftigen (must have: Word und Literaturverwaltung).
- Textverarbeitung: Du solltest mit Formatvorlagen arbeiten und die wichtigsten Layout-Feauters kennen (Schriftarten und -größen, Kopf- und Fußzeile).
- Literaturverwaltung: Mache dich mit den wichtigtsen Funktionen vertraut (Zitate im Text, Literaturverzeichnis)
Fehlender Schreibplan
Wer keinen Plan hat, wo die Reise hingeht, wird Irrwege einschlagen, sich verlaufen und gestresst ans Ziel kommen. Beim wissenschaftlichen Schreiben ist es genauso: Ohne die wissenschaftliche Story fixiert zu haben, schreibt man ins Blaue hinein und muss später seinen Text aufwendig korrigieren (Korrekturrunden). Je mehr Korrekturrunden zwischen dir und Betreuer/Betreuerin es werden, desto höher dein Stress-Level.
- Abhilfe: Das kann man verhindern, indem man sich vorher einen Plan macht und sein Ziel definiert, indem man ein paar grundlegende Informationen zusammenträgt. Bei einer Doktorarbeit sind es die folgenden Eckpunkte:
| → Was war der Grund für mein Forschungsprojekt? (Relevanz) | |
| → Was wollte ich herausfinden? (Fragestellung) | |
| → Was habe ich dafür getan? (Methodischer Ansatz) | |
| → Was habe ich herausgefunden? (Ergebnisse) | |
| → Wie habe ich das interpretiert? (Schlussfolgerung) |
Spätes Feedback
Vorgesetzte, Doktorväter und -mütter – sie werden oftmals ungewollt zu Stressfaktoren. Der Grund: Oft beschäftigen sie sich erst dann mit deiner Doktorarbeit, wenn sie vollständig ausformuliert vor ihnen liegt. Gibt es dann substanzielle Änderungswünsche und Korrekturen, dann bedeutet es für dich viel Arbeit und Stress: Wörter müssen auf die Goldwaage gelegt, Formulierungen verbessert, ganze Passagen verschoben, gelöscht oder ergänzt werden.
- Abhilfe: Struktur und Argumentation abklären, bevor du anfängst deine Doktorarbeit auszuformulieren. Denn dann geht das anschließende Schreiben der Rohfassung schon einmal in die richtiger Richtung. Formales und Stil bleibt dann für die Schlusskorrektur.
- Insgesamt hilft hier also der „strukturierte Schreibprozess“ – mehr dazu finden Sie hier in diesem Blog und natürlich im Schreibratgeber speziell für die medizinische Doktorarbeit.
Perfektionismus
Wer jeden einzelnen Satz kritisch hinterfragt, sobald er geschrieben ist, ihn anschließend direkt überarbeitet oder sogar löscht, bewegt sich nur in ganz kleinen Schritten auf sein Ziel zu (hierzu: Mit dem Bleistift gegen Schreibblockaden).
- Abhilfe: Auch hier hilft der strukturierte Schreibprozess: Zuerst Absatz für Absatz eine verständliche Rohfassung der Doktorarbeit schreiben und dann kritisch korrekturlesen – das spart Zeit und verhindert Schreibstress sehr effektiv.
Manche sehr akribische Autoren und Autorinnen versuchen auch, aus jedem einzelnen Satz ein allgemein-gültiges Manifest zu machen, das alle Details, alle möglichen Einschränkungen und jedes Wenn und Aber enthält. Mühsam – sowohl so etwas zu schreiben als auch so etwas zu lesen.
- Abhilfe: Betrachte die Sätze Ihrer Doktorarbeit nie losgelöst von den anderen. Auf den Zusammenhang kommt es an.
Multitasking
Multitasking funktioniert beim wissenschaftlichen Schreiben nicht. Wer Wissenschaft verständlich kommunizieren möchte, kann sich nicht gleichzeitig mit inhaltlichen Fragen, mit wissenschaftlicher Präzision, mit Stilfragen und mit Formalitäten auseinandersetzen.
Wer an schwierigen Textpassagen arbeitet, sollte nicht gleichzeitig beginnen, Literaturquellen zu recherchieren und Abbildungen und Tabellen zu erstellen – Social Media sollten während deiner Schreibsessions sowieso schweigen. Sonst wird das nichts mit der Doktorarbeit (weitere Zeitkiller).
- Abhilfe: Gliedere den gesamten Schreibprozess in Planungs- und Schreibphasen, die du separat abarbeiten und kontrollieren kannst. So verteilen sich die einzelnen Aufgaben und du musst nicht mehr alles auf einmal erledigen.Einen Vorschlag, wie das geht, gibt es hier: Die medizinische Doktorarbeit: Schreiben mit System.
Fazit
So – das waren meine Gedanken zu den Stressfaktoren beim Schreibprojekt Doktorarbeit. Stress beim Schreiben entsteht selten nur aus einem Grund, sondern setzt sich aus zahlreichen Faktoren zusammen.

Autor: Dr. Stefan Lang – Medical Writer & Schreibtrainer seit mehr als 20 Jahren: >160 Publikationen | >250 Workshops (Doktorarbeit, Research Paper, klin. Fachtexte) | Service-Angebot: scientific-medical-writing.de


