Dr. Stefan Lang am 24. Oktober 2017

Paper schreiben – der richtige Workflow für Koautoren


Kategorie Schreib- und Publikationsprozess

Niemand schreibt einen wissenschaftlichen Artikel, ein Paper, eine Übersichtsarbeit oder einen Forschungsantrag allein. Fast immer sind es mehrere Autoren und Autorinnen mit unterschiedlichen inhaltlichen Ideen und stilistischen Vorlieben. Nicht immer leicht, das alles unter einen Hut zu kriegen.

Spätestens, wenn die Rohfassung, also der erste Entwurf eines Papers, Reviews oder Forschungsantrages fertig ist, sollten alle Koautoren und Koautorinnen eingebunden werden. Das Manuskript trägt schließlich auch ihre Namen und  auch als Koautor trägt man Verantwortung für die veröffentlichten Daten.

Meist läuft es so: Die Ko-Autoren und Ko-Autorinnen korrigieren und kommentieren den Entwurf des Manuskripts, und senden ihn an den Erstautor zurück, der dann viel Arbeit hat, alle Änderungswünsche umzusetzen. Das kostet machmal viel Zeit und mitunter auch Nerven. Die Frage ist also:

Wie kann man die Zusammenarbeit mit den Koautoren möglichst geschmeidig und effektiv gestalten?

Wo ist überhaupt Diskussionsbedarf bei den Ko-Autoren?

Zunächst sollte man sehen, wo Diskussionsbedarf mit oder unter den Ko-Autoren und Ko-Autorinnen besteht. Denn es ist keine Seltenheit, dass sich die verschiedenen Wünsche der Koautoren und Koautorinnen widersprechen oder völlig konträr zu den Vorstellungen des Erstautors laufen. Hier besteht Diskussionsbedarf und dafür benötigt man eine strukturierte Diskussionsgrundlage – für eine anschließende Telefonkonferenz oder ein Meeting.

Diskussionsgrundlage: einheitliche Version des Manuskripts

Zunächst muss der Erstautor oder die Erstautorin alle Änderungen und Kommentare in einer Manuskript-Version zusammenführen, um die Grundlage für eine gemeinsame Telefonkonferenz oder ein Meeting zu schaffen.

Aber wie viele Kommentare oder Änderungswünsche kann man während eines sagen wir einmal 1-stündigen Treffens diskutieren? Viele sind es nicht. Daher muss der Erstautor oder die Erstautorin eine Auswahl treffen. Er muss alle Änderungen und Kommentare zunächst kategorisieren:

  • Unstrittige Änderungen im Manuskript: Rechtschreibfehler und andere offensichtliche Fehler im Paper, Review oder Forschungsantrag sollte der Erstautor direkt verbessern sowie unbedeutende stilistische Änderungswünsche direkt annehmen. Hier besteht kein Diskussionsbedarf.
  • Inakzeptable Änderungen im Manuskript: Meist hat sich der Erstautor bereits intensiv mit den Autorenhinweisen des Journals (Instructions to authors) auseinander gesetzt – die Koautoren dagegen nicht. Hier genügt meist eine Mail „auf dem kleinen Dienstweg“ oder ein kurzer Vermerk im Manuskript, um zu erklären, warum bestimmte Änderungen nicht übernommen werden können. Auch hier: kein Diskussionsbedarf.
  • Optionale Änderungen im Manuskript: Änderungswünsche und Kommentare einzelner Koautoren, die weder Datenauswahl noch die Interpretation der Ergebnisse betreffen, sollte man zwar auf die Agenda der Telefonkonferenz setzen, aber mit einer etwas geringeren Priorität. Oftmals geht es dabei um die Darstellung der Ergebnisse in Abbildungen und Tabellen – der eine wünscht sich Balkendiagramm, der andere eine Tabelle. Da muss man drüber reden, aber erst, wenn inhaltliche Differenzen aus dem Weg geräumt sind.
  • Strittige Änderungen des Manuskripts: Gibt es bei der Datenauswertung, Interpretation oder wissenschaftlichen Einordnung gegensätzliche Meinungen, muss man darüber sprechen bis ein Konsens erreicht wird. Diese inhaltlichen Aspekte haben oberste Priorität.
  • Resultat: Der Erstautor erstellt also eine Version des Manuskripts, die nur noch die optionalen und strittigen Änderungen und Kommentare enthält, und verschickt sie an die Ko-Autoren. Dann kann das Meeting beginnen.

Das Meeting: Zielführende Diskussion oder einfach nur BlaBla?

Eines ist klar: Die Konferenz muss verschoben werden, wenn nicht alle kommentierten Versionen des Manuskripts (Paper, Forschungsantrag) beim Erstautor oder bei der Erstautorin wieder eingetroffen sind und in seiner zusammengefassten Version entsprechend nicht berücksichtigt werden konnten. Denn nur so kann man sicherstellen, dass sich alle Koautoren intensiv mit dem Manuskript beschäftigt haben.

Andernfalls kann es passieren, dass einzelne Koautoren erst während der Telefonkonferenz im Paper oder Forschungsantrag herumblättern ‒ um den Text zu lesen. Sie können nichts Sinnvolles zur Diskussion beitragen, ihre Vorschläge sind selten hilfreich.

Fazit: Effektiver Workflow

Das ist ein effektiver Workflow in der Zusammenarbeit mit Ko-Autoren und Ko-Autorinnen:

Der erste Entwurf des Manuskripts wird den Koautoren vorgelegt (1), die diesen kommentieren (2). Der Erstautor oder die Erstautorin kategorisiert die Kommentare und fasst sie zusammen, sodass strittige Änderungswünsche gezielt im Meeting besprochen werden können (3). So entsteht die finale Version des Manuskripts (4).