Dr. Stefan Lang am 22. Dezember 2021

Die medizinische Doktorarbeit: Wo werden die Quellenverweise platziert?


Kategorie Schreib- und Publikationsprozess

Hier geht es also um die Frage, wo im Text die Referenzen, also die Quellenverweise, am besten platziert werden. Denn das ist nicht immer das Satzende. Auch für diesen Blogbeitrag habe ich ein kurzes Erklärvideo gemacht. Viel Spaß damit.

Willkommen zu meinem dritten Video zum Zitieren in der medizinischen Doktorarbeit (den Text finden Sie unten).

Grundsatz

Eine Quellenangabe sollte immer direkt der Information folgen, zu der sie gehört.

Einfach

Das ist beim Schreiben die einfachste und auch häufigste Situation:

Als wirksam hat sich Medikament XY herausgestellt [3].

Dieser Satz beinhaltet eine Information. Daher kann hier die Quellenangabe einfach am Satzende platziert werden.

Mehrere Infos pro Satz

Der folgende Satz beinhaltet jedoch zwei Informationen:

Als wirksam haben sich die Medikamente XY und YZ herausgestellt [3,4].

Es geht um die Wirksamkeit von XY und YZ und beide Informationen werden jeweils durch eine eigene Quelle belegt. Die Kombination dieser beiden Quellen am Satzende ist nun nicht mehr ausreichend, denn woher soll der Leser wissen, welche Quelle sich auf welche Information bezieht.

Die Quellenangabe sollte also direkt bei der Information platziert werden, zu der sie gehört:

Als wirksam haben sich die Medikamente XY [3] und YZ herausgestellt [4].

Wenn Autoren und Autorinnen oder Studien namentlich genannt werden

Hier folgt eine zweite Regel: Werden Autoren oder Studien namentlich genannt, sollte die Quellenangabe direkt dem Namen folgen. Auch das ist für die richtige Zuordnung wichtig.

Der Artikel von Smith et al. [6] beschreibt den nukleären Transport von … 

Die SMART-Studie [7] konnte ein Anstieg des …

Spezialfall: 1 Absatz, 1 Quelle

Und zum Schluss noch ein Spezialfall: Angenommen, alle Sätze eines Absatzes beziehen sich auf die gleiche Quelle. Genügt es dann, die Quellenangabe einfach am Ende des Absatzes zu platzieren?

Laut einer aktuellen Studie bindet der Ligand an den XY-Rezeptor. Im nächsten Schritt wird der Rezeptor phosphoryliert, sodass Signalmoleküle binden und aktiviert werden. Das Signalmolekül YZ wandert anschließend in den Zellkern [8].

Es genügt nicht, denn woher soll der Leser wissen, ob sich die Quellenangabe am Ende auf den letzten, den vorletzten oder gar auf alle Sätze bezieht? Das funktioniert also nicht.

Laut einer aktuellen Studie bindet der Ligand an den XY-Rezeptor. Im nächsten Schritt wird der Rezeptor phosphoryliert, sodass Signalmoleküle binden und aktiviert werden. Das Signalmolekül YZ wandert anschließend in den Zellkern. [8]

Auch ist es keine Lösung, die Quellenangabe nach dem Satzzeichen zu platzieren, weil sie sich dann angeblich per definition auf den ganzen Absatz beziehen würde. Eine solche Regel existiert im Life Science Bereich nicht.

Was kann man also tun? Es gibt zwei Möglichkeiten:

Entweder man platziert die Quellenangabe nach jedem einzelnen Satz.

Laut einer aktuellen Studie bindet der Ligand an den XY-Rezeptor [8]. Im nächsten Schritt wird der Rezeptor phosphoryliert, sodass Signalmoleküle binden und aktiviert werden [8]. Das Signalmolekül YZ wandert anschließend in den Zellkern [8].

Oder, und das ist ein wenig eleganter, man macht mit rein sprachlichen Mitteln klar, dass sich die Quelle 8 auf den ganzen Absatz bezieht:

Laut einer aktuellen Studie bindet der Ligand an den XY-Rezeptor [8]. Die Studie zeigte außerdem, dass im nächsten Schritt der Rezeptor phosphoryliert wird, sodass Signalmoleküle binden und aktiviert werden. Ein weiteres Ergebnis war der Befund, dass das Signalmolekül YZ… 

Fazit

Denken Sie also daran, dass Quellenangaben nicht einfach generell am Satzende oder am Ende eines Absatzes platziert werden dürfen. Denn es sollte für den Leser immer eindeutig sein, auf welche Information sich eine bestimmte Quelle bezieht.

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