Dr. Stefan Lang am 05. März 2026

Der wissenschaftliche Schreibstil einer Doktorarbeit


Kategorie Doktorarbeit schreiben

Natürlich sind deine wissenschaftlichen Befunde, deine Schlussfolgerungen und deine wissenschaftliche Arbeit das wichtigste Qualitätskriterium deiner Doktorarbeit. Aber wie entscheidend ist der wissenschaftliche Schreibstil bei der Bewertung deiner medizinischen Diss?

Ein guter bzw. schlechter Schreibstil ändert zwar nichts am Inhalt. Aber er beeinflusst, wie gut oder schlecht der Inhalt aufgenommen wird. Denn werden Daten in einem stilistisch hochwertigen Text präsentiert, glauben Leser und Leserinnen ihnen eher. Leser und Leserinnen denken: „Wenn die Daten im Text so klar beschrieben sind, dann ist bestimmt auch in der Studie alles glatt gelaufen. Werden die Daten dagegen in einem holprigen und schwer lesbaren Text präsentiert, misstraut man ihnen. Der Stil eines wissenschaftlichen Textes entscheidet also über seine Überzeugungskraft.

Was macht einen Text wissenschaftlich?

Doktorand der Medizin sitzt in einem stilvollen Büro am Computer und schreibt an seiner Dissertation

Aber was genau ist der wissenschaftliche Schreibstil? Wissenschaftlich wird ein Text vor allem durch seinen Inhalt, nicht durch Fachjargon oder intellektuell-klingende Floskeln. Die große Herausforderung beim wissenschaftlichen Schreiben liegt darin, die anspruchsvollen Inhalte zugleich präzise, aber auch verständlich wiederzugeben. Dazu müssen Texte klar strukturiert und Informationen schrittweise vermittelt werden.

Der wissenschaftliche Schreibstil kann dabei unterstützen. Fachbegriffe sollten präzise, die restliche Sprache jedoch einfach und nüchtern sein. So entsteht eine sehr klare Wissenschaftssprache, die Leser und Leserin nicht überfordert und der Komplexität des Inhalts dennoch gerecht wird.

Präzision als oberstes Stilprinzip

Die Präzision eines wissenschaftlichen Textes ist ein entscheidendes Qualitätskriterium. Unpräzise Formulierungen machen einen Wissenschaftstext vage. In einer Doktorarbeit sind dann die Ergebnisse nicht mehr nachvollziehbar und Gutachter und Gutachterinnen fällt es schwer, die Qualität der Arbeit zu bewerten.

Alle Ergebnisse, jede Messung und jede Analyse sollten daher mit exakten Zahlen und korrekten wissenschaftlichen Einheiten wiedergegeben werden. Werden etwa Versuchsgruppen verglichen, braucht es eine statistische Auswertung.

Doch Zahlen allein genügen nicht: Wichtig ist auch, Leser und Leserin die Bedeutung der Zahlen zu vermitteln. Erst im Zusammenhang und durch Interpretation werden aus Rohdaten aussagekräftige Ergebnisse. Nur wenn Leser und Leserin die Bedeutung der Zahlen verstehen, überzeugt die Doktorarbeit.

Prägnant wissenschaftlich schreiben

„Prägnanz“ ist wohl das zentrale Charakteristikum der Wissenschaftssprache. Ein prägnanter Text vermittelt Inhalte klar, professionell und effizient, sodass man die Kernaussagen direkt erfassen kann. „Effizient“ bedeutet, dass man Offensichtliches weglassen und unnötige Wiederholungen vermeiden sollte. Auch inhaltsfreie Floskeln und ungenaue Formulierungen, rein dekorative Worte und doppelte Verneinungen sollten bis auf ein Minimum reduziert werden.

Prägnanz bedeutet also, jedes Wort, jeden Satz und jeden Absatz auf den Prüfstand zu stellen – erfüllt ein Begriff, Satz oder Absatz keinen Zweck, sollte er gestrichen werden. Das Löschen gehört einfach zum wissenschaftlichen Schreiben dazu.

Prägnant wissenschaftlich schreiben – das habe ich bor allem in zwei Blogbeiträgen behandelt:

Wortwahl und wissenschaftlicher Stil in der Medizin

In einer medizinischen Doktorarbeit müssen Wortwahl und Schreibstil drei Anforderungen erfüllen: Sie müssen präzise, verständlich und notwendig sein. Fremdwörter, unnötiger Jargon und dekorative Wörter erhöhen unnötigerweise die Komplexität eines Textes, ohne einen Mehrwert zu schaffen.

Zugleich sollten Wissenschaftsworte aber auch human sein – auch das gehört zum wissenschaftlichen Stil in der Medizin. Personen sollten nicht auf ihre Erkrankung reduziert werden und gendergerechte Formulierungen tragen nicht nur zu einer respektvollen Sprache bei, sondern erhöhen oft auch die in der Medizin notwendige Präzision.

Stilsünden, die Gutachter sofort merken

Nominalstil – warum er Texte aufbläht

Der Stil wissenschaftlicher Texte sollte nüchtern, objektiv und neutral sein – aber nicht langweilig und blutleer. Die Wissenschaftssprache sollte nicht nach Beamtendeutsch klingen. Daher ist es wichtig, den sogenannten Nominalstil zu reduzieren.

Bei Nominalisierungen werden für Tätigkeiten keine Verben, sondern Hauptwörter benutzt, wodurch die Texte abstrakt, schwerfällig und ein wenig autoritär klingen. Außerdem benötigt der Nominalstil im Durchschnitt mehr Worte, was bei Abstracts oder Zusammenfassungen ein wichtiger Faktor sein kann (die Länge von Abstract und Zusammenfassung ist meist begrenzt).

Aktiv oder Passiv – was ist guter Stil?

Mehr als genug wird in der Wissenschaft im Passiv geschrieben (engl. Passive voice). Das hat überholte, traditionelle Gründe und passt definitiv nicht mehr zum heutigen Zeitgeist. Denn überwiegen die passiven Formulierungen, wirken Texte distanziert und abgehoben.

Für einen lebendigen und natürlichen Stil, empfiehlt es sich, einen Ausgleich zwischen aktiven und passiven Formulierungen zu schaffen: Spezifische Aussagen solltest du aktiv und allgemeine Aussagen passiv formulieren. Mit aktiven Sätzen betonst du stets den Akteur, während in passiven Sätzen das Geschehen im Vordergrund steht.

Lediglich im Kapitel Material und Methoden muss man im Passiv bleiben. In allen anderen Kapiteln, kannst du durch einen häufigen Wechsel ins Aktive die Lesbarkeit deutlich verbessern. Deine Leser werden es dir danken, weil die Texte automatisch frischer und lebendiger klingen.

Häufige Stilsünden

Stilistisch fragwürdige Zusammenstellung von Hemd, Jacket und Schuhen

Neben diesen eben genannten stilistischen Grundsätzen gibt natürlich noch weitere potenzielle Stilprobleme in Doktorarbeiten. Viele davon sind eine Dosisfrage, nur der übermäßige Gebrauch wird zur Stilsünde. Das gilt für Nominalstil und Passiv, aber auch für Füllwörter, doppelte Verneinungen, Jargon (das Wording, das außerhalb des Labors keiner versteht), ungenaue Zahlenwörter und Fremdwörter (auch Anglizismen!).

Wenn du bei der Überarbeitung deiner Doktorarbeit jedes dieser Stilprobleme adressierst, wird dein gesamter Text automatisch aufgewertet.

FAQ zu den Stilfragen der medizinischen Doktorarbeit

Ist der Schreibstil in der medizinischen Doktorarbeit wichtig?

Stilistisch unschöne und holprige Texte haben meist eine schlechte Überzeugungskraft. Stilistisch hochwertige Texte kommen besser an.

Wie lange dauert es, seine Doktorarbeit stilistisch aufzuwerten?

Es genügt, wenn du die wichtigsten Stilprobleme eliminierst. Das kostet dich nicht mehr als vielleicht zwei Stunden, aber wertet deinen Text extrem auf.

Was sind die häufigsten Stilprobleme in einer medizinischen Doktorarbeit?

Nominalstil und passive Formulierungen (meist in Kombination) sind häufig und klingen nach Beamtendeutsch. Auch die fehlende Prägnanz ist ein häufiger Fehler.