Dr. Stefan Lang am 28. Mai 2019

Humane Sprache in medizinischen Texten – Mensch bleibt Mensch


Kategorie Stilfragen

Die Wissenschaftssprache der Paper und Doktorarbeiten ist eine sehr nüchterne Sprache. Doch gerade in der Medizin ist es wichtig, dass die Sprache trotz aller Objektivität und Nüchternheit auch human bleibt.

Viel wurde geschrieben und diskutiert über die genderneutrale Sprache in medizinischen Texten. Doch die Wissenschaftssprache medizinischer Texte läuft nicht nur Gefahr, sexistisch zu sein, sondern auch inhuman – wenn nämlich Menschen auf ihre Erkrankung und Einschränkung reduziert werden.

Moderne Wissenschaftssprache: Nicht auf die Erkrankung reduzieren

Spricht ein Medizintext von einem „Asthmatiker“, wird diese Person damit vollständig auf ihre Erkrankung reduziert. Eine moderne und humane Wissenschaftssprache differenziert – zwischen Identität und Erkrankung:

Gleiches gilt natürlich auch für das Wissenschaftsenglisch der Paper:

  • a diabetic
  • a diabetes patient (oder: a diabetic patient)
  • a patient with diabetes

Moderne Medizintexte: Was heißt denn hier „krank“?

Selbst ‚Patient‘, das wohl häufigste Wort in medizinischen Texten, sollte mit Bedacht gewählt werden. Denn es impliziert, dass jemand krank ist und entsprechend eine medizinische Behandlung benötigt.

Aber würde sich jemand, der eine Bewegungseinschränkung oder Lernbeeinträchtigung hat, als ‚krank‘ bezeichnen? Und erhalten Menschen mit einer Beeinträchtigung auch eine medizinische Behandlung? Die Wissenschaftssprache sollte hier genau bleiben und zwischen patients und individuals differenzieren.

Außerdem sollte der Grad der Beeinträchtigung in der Sprache eines medizinischen Textes berücksichtigt werden. Das erste Beispiel suggeriert eine mehr oder minder vollständige Bewegungsbeeinträchtigung, das zweite jedoch nicht:

  • physically disabled patients
  • individuals with a physical disability

Die Wissenschaftssprache der Medizintexte sollte human sein.

Ein weitere wichtige Unterscheidung betrifft die Teilnehmer einer Studie: Waren es Patienten oder Studienteilnehmer?

Dass eine Person nicht nur auf seine Erkrankung reduziert werden sollte, gilt für Doktorarbeiten, Originalartikel und auch für wissenschaftliche Poster.

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