Dr. Stefan Lang am 01. August 2022

Doktorarbeit Medizin schreiben – ohne Betreuung?


Kategorie Schreib- und Publikationsprozess

Die Betreuung eines Doktoranden oder einer Doktorandin sollte nicht nur die experimentelle, klinische oder statistische Forschung betreffen, sondern sich selbstverständlich auch auf das Schreiben der Doktorarbeit erstrecken. Ein häufiges Problem dabei ist jedoch, dass diese Betreuung, also die gemeinsame Arbeit am Text der Dissertation, entweder überhaupt nicht, zu wenig oder viel zu spät stattfindet.

Wie läuft Ihre Betreuung? In meinem neuen Video erkläre ich, wie man die Zusammenarbeit mit Betreuer oder Betreuerin effektiver gestalten kann, nämlich durch den sogenannten strukturierten Schreibprozess. Der strukturierte Schreibprozess hilft, die Argumentation, den Aufbau und den Inhalt seiner medizinischen Doktorarbeit sehr früh im Schreibprozess festzulegen und mit seinem Betreuer oder seiner Betreuerin abzustimmen.

Auf diese Weise stellen Sie sicher, von Beginn an in die richtige Richtung zu schreiben.

In diesem Video erkläre ich:

  • welche Arbeitsschritte man mit Betreuer oder Betreuerin abstimmen sollte
  • warum das dem Betreuer oder der Betreuerin nur wenig Zeit kostet, Ihnen aber Tage und Wochen an Arbeit ersparen kann
  • warum Sie es nicht persönlich nehmen sollten, wenn Betreuer oder Betreuerin einzelne Sätze Ihrer Dissertation wieder vollständig löscht.

Viel Spaß beim Ansehen!

Problem: Dissertation schreiben nach Trial & Error

Oftmals lassen Betreuer oder Betreuerinnnen ihre Doktoranden erstmal schreiben und lehnen es rundweg ab, sich überhaupt mit Zwischenergebnissen zu beschäftigen. Vielmehr wollen sie erst ganz am Ende die vollständig ausformulierte Doktorarbeit sehen.

Ich finde diese Ansage extrem problematisch, weil die Promovierenden dann gezwungen sind, ins Blaue hinein zu schreiben, gewissermaßen nach dem Trail & Errror Prinzip. Gerade für Leute, die noch keine Erfahrung mit dem wissenschaftlichen Schreiben haben, ist dieses ungerichtete Vorgehen extrem langwierig, frustrierend und uneffektiv.

Irgendwann ist die Arbeit dann vollständig geschrieben, aber die Freude, dass man endlich fertig ist, dauert nur kurz, nämlich so lange, bis man die ersten Korrekturen vom Betreuer oder von der Betreuerin zurückbekommt. Denn aufgrund der eher ungeplanten Schreibweise, gibt es zahlreiche notwendige Überarbeitungen. Meist müssen…

  1. Ganze Passagen verschoben, gelöscht oder neu geschrieben und
  2. andere strukturuelle Änderungen vorgenommen werden.
  3. Es müssen Inhalte ergänzt, Sätze umformuliert und
  4. zahlreiche formale Dinge korrigiert werden.

All diese Korrekturen und Änderungswünsche des Betreuers oder der Betreuerin können natürlich schon aufgrund ihrer Anzahl nicht auf einmal umgesetzt werden, daher folgen meist zahlreiche Korrekturschleifen zwischen Promovierenden und Betreuern, die sich oft über Wochen und Monate hinziehen. Auch das ist sehr uneffektiv und darüber hinaus für alle Beteiligten sehr frustrierend.

Lösung: der strukturierte Schreibprozess

Das kann man verhindern, und zwar durch eine strukturierte Vorgehensweise, die einem hilft, die Argumentation, den Aufbau und den Inhalt sehr früh im Schreibprozess festzulegen und mit dem Betreuer oder der Betreuerin abzustimmen.

Der strukturierte Schreibprozess, den ich auch in meinen Kursen und Schreibratgebern propagiere, bietet hierfür zahlreiche Möglichkeiten. Bei dieser Art zu schreiben, wird der Schreibprozess in vier Phasen unterteilt, die man separat und frühzeitig, kontrollieren kann.

  • Konzept
  • Gliederung
  • Schreiben
  • Überarbeitung

Das Konzept seiner Doktorarbeit frühzeitig festlegen

Um sich nun effektiv mit Betreuer oder Betreuerin abzustimmen, sollte man wichtige Dinge gleich zu Beginn festlegen, etwa mit dem Konzept (nur wenige Sätze zu Hintergrund, Fragestellung, Methodik, Ergebnisse, Schlussfolgerung). Insgesamt macht das Konzept nur etwa eine halbe Seite Text aus, die man auch gut per Mail an seinen Betreuer oder seine Betreuerin schicken kann.

Für den Betreuer oder die Betreuerin ist der Aufwand, sich ein solches Konzept durchzulesen und ein kurzes Feedback zu geben, sehr übersichtlich (2 Minuten), sodass die meisten Betreuer wohl auch gern dazu bereit sein werden. Ihnen kann das Tage und Wochen an Arbeit ersparen, weil Sie auf diese Weise, sicherstellen, von Beginn an in die richtige Richtung zu schreiben.

Optimale Betreuung: Gliederung der Diss checken

Ebenso kann man auch die Gliederung von seinem Betreuer kontrollieren lassen. Eventuell genügt es auch die Gliederung einzelner Kapitel wie etwa dem Ergebnisteil abzustimmen. Wenn man das sehr übersichtlich macht und vielleicht sogar bereits Abbildungen in seine Gliederung integriert, kann man auch hier von seinem Betreuer oder seiner Betreuerin wichtige Hinweise bekommen, was man vielleicht ändern sollte. In diesem Stadium, also bei der Gliederung, lässt sich das noch schnell und einfach umsetzen.

Tipp zum Schluss

Versuchen Sie es nicht persönlich zu nehmen, wenn Ihr Betreuer in der abschließenden Überarbeitungsphase einen oder mehrere Sätze löscht, denn das Überarbeiten, also auch das Löschen, gehört genauso zum Schreiben wie das eigentliche Formulieren.

In writing, you must kill all your darlings.

William Faulkner

Das heisst: Es kann ja mal vorkommen, dass man sich irgendwie vergallopiert und einen Satz schreibt, der nichts zum Thema beiträgt oder keine substanzielle Information liefert. Dann muss man sich von diesem Satz trennen, egal wie liebgewonnen man ihn hat.

Dr. Stefan Lang

Die medizinische Doktorarbeit – Schreiben mit System

Eine praktische Anleitung


Eine medizinische Doktorarbeit zu schreiben, ist wie eine Bergwanderung: Man braucht eine Karte, die den direkten Weg zum Ziel weist. Dieses Buch ist eine solche Karte. Es gliedert den Schreibprozess in Etappen, die die Promovierenden schrittweise absolvieren können.


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Paperback ISBN : 978-3-7482-9382-8
Hardcover ISBN :
978-3-7482-9383-5
E-Book ISBN : 978-3-7482-9384-2