Dr. Stefan Lang am 03. November 2023

Medizinische Promotion: Wie man eine Hammer-Einleitung schreibt


Kategorie Schreib- und Publikationsprozess

Um eine wirklich gute Einleitung für seine medizinische Promotion schreiben zu können, sollte man sich mit diesen vier Fragen beschäfitgen: Für wen schreibe ich? Welche Funktion hat die Einleitung? Wie ist eine gute Einleitung aufgebaut? Wie sehr muss ich ins Detail gehen?

In diesem Video erfahren Sie alles Wichtige in 5 Minuten. Zum Nachlesen oder Ausdrucken gibt es unten den Text in komprimierter Form.

Zielgruppe der medizinischen Promotion

Für wen schreibt man seine medizinische Doktorarbeit?

  • Nicht für ein Laienpublikum. Eine Doktorarbeit ist ein Fachtext für Fachleute.
  • Nicht ausschließlich für Spezialisten (Ihr Professor, Ihre Professorin)
  • Zielgruppe: allgemein medizinisch-vorgebildete Leser (eine Promotion aus der Nephrologie sollte auch von einem Hepatologen oder Dermatologen verstanden werden können).

Funktionen der Einleitung (1): Indikation erklären

Aufgrund dieser Zielgruppe ist es natürlich in der Einleitung notwendig, ein paar Basics zur Indikation zu erklären. Denn: Die Einleitung soll die Voraussetzungen schaffen, die der Leser braucht, Ihre Arbeit verstehen zu können.

Dazu gehören im Allgemeinen ein paar grundlegende Fakten zur

  • Epidemiologie
  • Pathogenese
  • Diagnostik
  • Therapie

Funktionen der Einleitunug (2): Details erklären

Welche Details sollte man neben diesen Basics dem Leser erklären? Sehen Sie sich Ihre Fragestellung oder Zielsetzung an: Alle Wirkstoffe, Zelltypen und Moleküle, die dort auftauchen, sollten in der Einleitung eingeführt werden.

In der Einleitung beschreiben Sie also die Details, die zum Verständnis notwendig sind, aber auch nur diese. Sie müssen keine Übersichtsarbeit und kein Lehrbuch schreiben.

Funktionen der Einleitung (3): Zur Fragestellung führen

Fragestellung/Zielsetzung am Ende der Einleitung sollte den Leser oder die Leserin niemals überraschen. Sie sollte sich zwangsläufig aus der Einleitung ergeben.

Dazu schildert man in seiner Einleitung nicht nur die bekannten Fakten, sondern auch das, was man zu Ihrem Thema noch nicht weiß. Meistens ergibt sich dieses „Unbekannte“ aus den Vordaten zu Ihrem Projekt.

Wenn Sie etwa einen Wirkstoff an Patienten getestet haben, dann stammen die Vordaten vermutlich aus Zellkulturexperimenten oder Tierversuchen.

Wenn Sie diese in Ihrer Einleitung schildern, dann wollen Ihre Leser intuitiv erfahren, ob der Wirkstoff auch beim Menschen funktioniert. Genau das kündigen Sie dann mit Ihrer Fragestellung an, wodurch Ihre Einleitung eine sehr stringente und klare Argumentationslinie bekommt.

Aufbau der Einleitung

Aus diesen drei wichtigen Funktionen ergibt sich der grobe Aufbau einer guten Einleitung:

  • [1] Relevanz: Was macht Ihr Forschungsgebiet interessant? Vielleicht die Häufigkeit oder Schwere einer Erkrankung? Entsprechend beginnen Sie mit der Epidemiologie oder Pathogenese.
  • [2] Bekannt: Bringen Sie hier weitere bekannte Fakten, etwa zur Diagnostik und Therapie.
  • [3] Unbekannt: Dieser Punkt ist nicht wirklich „unbekannt“, denn hier nennen Sie die Vordaten, die zu Ihrer Fragestellung führen.
  • [4] Fragestellung, Zielsetzung, Problemstellung

Wie sehr ins Detail beim Schreiben der Einleitung?

Sie gehen nur soweit ins Detail, wie es zum Verständnis nötig ist. Wenn Sie also an einem neuen Wirkstoff gearbeitet haben, dann sollten Sie die Wirkweise dieses neuen Wirkstoffs im Detail erklären. Ggf. müssen Sie aber auch im Bereich Pathogenese tiefer in die molekularen Details einsteigen, nämlich dann, wenn das für die Wirkweise wichtig ist.

Andere Aspekte wie die Epidemiologie oder Symptomatik der Erkrankung sind bei einem Projekt, bei dem es primär um die Testung eines Wirkstoffes geht, etwas zweitrangig. Man darf sie kürzer abhandeln.

Fazit

Nun haben Sie alle Grundlagen, um eine Hammer-Einleitung schreiben zu können. Wenn Sie weitere Details zur Einleitung einer medizinischen Doktorarbeit lesen möchten, dann vielleicht in meinem Ratgeber zur medizinischen Doktorarbeit.

Dr. Stefan Lang

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