Dr. Stefan Lang am 24. März 2017

Medizinische Studien: Schreibt man cohorts, arms oder groups?


Kategorie Statistik

Neulich bin ich in einer Publikation zu einer prospektiven Wirksamkeitsstudie über das Wort „Kohorte“ gestolpert – damit bezeichneten die Autoren die Gruppe der Patienten, welche die zu untersuchende Medikation erhalten hatten. Mir kam das Wort „Kohorte“ in diesem Zusammenhang komisch vor, irgendwie unpassend.

„Kohorte“ in Beobachtungsstudien

Was bedeutet „Kohorte“? In einer wissenschaftlichen Publikation (Originalarbeit oder Dissertation) bedeutet es: eine Gruppe mit bestimmten übereinstimmenden Merkmalen.

Ich würde diesen Begriff daher eher in einer epidemiologischen Langzeitstudie verorten, in der eine mögliche Assoziation zwischen Erkrankung und Ursache / Auslöser / Risikofaktoren untersucht wird (Kohorte). In so einer medizinischen Studie muss logischerweise die Kohorte definiert werden, bevor die Erkrankung auftritt.

Dann werden die Mitglieder über einen gewissen Zeitraum beobachtet, um die Inzidenz der Erkrankung innerhalb dieser Kohorte zu ermitteln. Erst dann sind die Teilnehmer auch Patienten, vorher nicht (→ medizinische Forschung: Kohortenstudie).

Publikation einer epidemiologischen Studie: Kohorte

„Patientengruppe“ oder „Studienarm“ in der Interventionsstudie

Wenn für eine klinische Studie Patienten rekrutiert werden, die also bereits an einer bestimmten Erkrankung leiden, dann kann das folglich keine Kohorte sein. Die Patienten wären, sobald sie einer bestimmten Behandlungsmodalität zugeordnet wurden, eher eine Patientengruppe oder auch ein Studienarm – das wären die Begriffe, die ich bei prospektiven Wirksamkeitsstudien benutzen würde (Wirksamkeitsstudie im Rahmen der Arzneimittelzulassung).

Medizinische Studien können Studienteilnehmer in Gruppen oder Behandlungsarmen aufteilen.In einem Studienarm werden die Probanden oder Patienten zusammengefasst, die entweder eine Medikation, eine Vergleichsmedikation oder ein Placebo erhalten. Werden verschiedene Dosen eingesetzt, können auch das mehrere Studienarme sein.

Patienten-„Kollektiv“ ist ein weiteres Wort – im Deutschen würde das in der Publikation einer Studie auch für den eben genannten Sachverhalt funktionieren, also anstelle von Patientengruppe oder Studienarm.

Nicht jedoch im Englischen. Da funktioniert das nicht, denn „collective“ beschreibt im Englischen eher eine wirtschaftlich orientierte Kooperation (z. B. Beer & wine collective). Eine schnelle Suche bei www.linguee.de zeigt zwar, dass „patient collective“ als Übersetzung für „Patientenkollektiv“ benutzt wird – aber nur auf Webseiten, die mit .de, .at oder .ch enden (also nicht im engl. Sprachgebrauch).

Publikation einer Wirksamkeitsstudie: Patientengruppe, Studienarm

Patientenkollektiv – nur im Deutschen möglich, nicht im Englischen

Mehr Infos

Blog-Beiträge zu den Unterschieden zwischen den verschiedenen medizinischen Studien

Schreibratgeber

Wie schreibt man die Ergebnisse seiner Beobachtungsstudie oder Interventionsstudie für eine Publikation zusammen? Eine systematische Schreibanleitung mit Tipps zum wissenschaftlichen Schreiben und Publizieren finden Sie im Paper-Protokoll oder im Ratgeber für Doktorarbeiten oder wissenschaftliche Poster.