Dr. Stefan Lang am 03. März 2026

Wissenschaftliches Englisch: Grammatik im Scientific English richtig anwenden


Kategorie Scientific English

Ein korrektes und fehlerfreies Englisch reicht im wissenschaftlichen Kontext meist nicht aus. Scientific English folgt eigenen Konventionen, die über die bekannten Grammatikregeln hinausgehen. Zum Beispiel benutzt das Scientific English Worte, die sich vom Alltagsenglisch unterscheiden. Ein Satz kann sprachlich korrekt sein und in einem Paper dennoch unprofessionell wirken.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Scientific English eine „Geheimsprache“ ist, die man erst lernen muss. Wenn du bereits ein korrektes Englisch schreiben kannst, dann fehlt dir nur noch etwas Erfahrung zu den Gepflogenheiten im Wissenschaftsenglisch. Und genau darum geht es in dieser Kategorie meines Blogs.

Grammatik im Scientific English: Was wirklich zählt

Englische Flagge symbolisiert "Scientific English"

Im wissenschaftlichen Englisch entscheiden oft kleine grammatikalische Details, wie ein Manuskript wahrgenommen wird: Unpassende Zeitformen, unklare Bezüge oder missverständliche Satzkonstruktionen sind nicht unbedingt „falsch“. Doch sie signalisieren den Reviewern, dass der Autor oder die Autorin das Thema nicht 100%ig durchdrungen hat oder sich bezüglich der Aussagekraft der Daten nicht sicher ist.

In diesem Artikel bekommst du wichtige Grundlagen im Scientific English. Du erfährst, was Gutachter und Gutachterinnen als unprofessionell wahrnehmen. Das kannst du dann in deinem nächsten Paper vermeiden.


FAQ: Häufige Fragen zur Grammatik im Scientific English

Welche Grammatikfehler wirken im wissenschaftlichen Englisch besonders unprofessionell?

Im Scientific English wirken vor allem falsche Zeitformen, unklare Bezüge und inkonsistente Einzahl-Mehrzahl-Konstruktionen unprofessionell. Diese Fehler signalisieren den Gutachtern mangelnde Vertrautheit mit wissenschaftlichen Konventionen.

Wann verwendet man im Research Paper Past Tense und wann Present Perfect?

Abgeschlossene Experimente, Studien und Auswertungen werden im wissenschaftlichen Englisch im Past Tense beschrieben, vor allem in den Methods und Results. Das Present Perfect wird verwendet, wenn Ereignisse bis in die Gegenwart relevant sind oder immer wieder stattfanden, wenn eine Entwicklung im Gange ist oder wenn Phänomene wiederholt beobachtet wurden.

Warum sind grammatikalisch korrekte Sätze in wissenschaftlichen Texten manchmal trotzdem problematisch?

Ein Satz kann formal korrekt sein und dennoch unprofessionell wirken, wenn etwa Subjekt und Verb logisch nicht zusammenpassen oder die Informationslogik auf andere Weise unklar ist. Beispiele hierfür sind scheinbar korrekte Subjekte („the appearance was measured“) oder falsch platzierte Modifier. Solche Konstruktionen lassen Texte typischerweise „non-native“ erscheinen.

Wie beeinflusst der Satzbau die Verständlichkeit eines wissenschaftlichen Papers?

Im Scientific English ist die Satzarchitektur entscheidend für das Textverständnis. Der Satzanfang dient der Orientierung (Topic Position), das Satzende der Hervorhebung neuer Informationen (Stress Position). Zusätzlich strukturieren Introductory Phrases, korrekt platzierte Adverbien und klare Modifier die Informationslogik.


Zeiten und Kongruenz im Wissenschaftsenglisch

Past Tense vs. Present Perfect im Research Paper

Im Wissenschaftsenglisch ist bereits die Zeitform ein inhaltliches Signal. Für Experimente, klinische Studien und Auswertungen, die klar abgeschlossen sind, ist das Past Tense die Standardzeitform – insbesondere im Methoden- und Ergebnisteil (DNA was precipitated …). Das Present Perfect wird dagegen verwendet, wenn Forschungsergebnisse einen Bezug zur Gegenwart haben, fortbestehen oder wiederholt beobachtet wurden (Several trials have demonstrated …).

In Introduction und Discussion liefern zeitliche Marker wie so far, since, konkrete Jahreszahlen oder auch die Anzahl zitierter Arbeiten eine verlässliche Entscheidungshilfe zwischen Past Tense vs. Present Perfect. Fehler bei Past Tense und Present Perfect gehören zu den häufigsten Problemen der englischen Grammatik in der Wissenschaft und wirken auf Reviewer immer irritierend.

Subject–Verb-Agreement und Einzahl-Mehrzahl-Konstruktionen

Ebenso kritisch ist die Kongruenz von Subjekt und Verb beim wissenschaftlichen Schreiben auf Englich. Grammatikalisch korrekte, aber logisch falsche Subjekte (the appearance was measured) oder inkonsistente Einzahl-Mehrzahl-Konstruktionen (lungs and liver was examined) untergraben die sprachliche Präzision. Die Verwendung des Plurals gehört zu den häufigsten Stolperfallen.

Besonders fehleranfällig sind Hilfsverbkonstruktionen, unklare Bezüge bei Partizipialphrasen und der falsche Umgang mit nicht-zählbaren Nomen wie research, evidence oder dem Dauerstreitfall data. Solche Details sind keine Kleinigkeit: Sie entscheiden darüber, ob ein Text als solides Wissenschaftsenglisch oder als typisch „non-native“ wahrgenommen wird.

Satzbau und Satzarchitektur im Wissenschaftsenglisch

Satzanfang und Satzende im wissenschaftlichen Manuskript

Forschende suchen Hilfe beim Schreiben auf Englisch und sprechen mit einem Engländer

Beim wissenschaftlichen Schreiben auf Englisch entscheidet die Satzarchitektur, wie gut die Inhalte von Leser und Leserin verstanden werden. Zum Beispiel hat jeder Satz zwei feste Anker: Am Satzanfang (Topic Position) orientieren sich Leser und Leserin, denn hier erkennen sie, in welchem Zusammenhang die folgende Aussage mit dem zuvor Gesagten steht. Am Satzende (Stress-Position) sollte dann das stehen, was man hervorheben möchte, nämlich die wichtige, neue Information. Satzanfang und Satzende sind im wissenschaftlichen Manuskript die entscheidenden Positionen. Dieses Prinzip „Erst Orientierung, dann Information“ findet sich übrigens auch in wissenschaftlichen Tabellen wieder.

Zusatzinformationen im Scientific English

Eine weitere Feinheit beim Satzbau im Scientific English ist der sichere Umgang mit Zusatzinformationen. Zusatzinfos kann man in Kommas, Klammern oder nach einem Gedankenstrich präsentieren. Während Kommas zwar interessante, aber nicht unbedingt notwendige Informationen einführen, heben Klammern die enthaltenen Infos stärker hervor. Der Gedankenstrich setzt schließlich einen klaren Akzent und lenkt die Aufmerksamkeit gezielt auf die Zusatzinformation. Wer diese Abstufung beherrscht, schreibt schon auf einem deutlich höheren Niveau.

Using & based on – häufige Fehler mit Partizip-Konstruktionen

Partizip-Konstruktionen sind ein weiteres häufiges Element im Scientific-English-Satzbau. Meistens werden Partizip-Konstruktionen korrekt eingesetzt, daher wirken fehlerhafte Konstruktionen so schwer (etwa bei using oder based on). In der Regel sollen solche Konstruktionen ein Wort präzisieren, doch wenn der klare Bezug fehlt, gleitet der Text ins Nebulöse ab oder ist inhaltlich falsch. Typische Fehler habe ich in einem eigenen Artikel behandelt: Using & based on: Häufige Fehler mit Partizip-Konstruktionen im Wissenschaftsenglisch.

Zusammenhänge und Logik im Wissenschaftsenglisch

Die Introductory Phrase in der wissenschaftlichen Publikation

Im letzten Abschnitt habe ich bereits etwas zum Satzanfang gesagt, der Orientierung bieten soll. Ein extrem wichtiger Spezialfall ist hier die Introductory Phrase. Sie setzt im Scientific English den „Rahmen“ für den Hauptsatz und kündigt an, worauf sich die folgenden Daten beziehen – etwa Zeitpunkt, Dosis, Behandlungsgruppe, Ort, Vergleich oder Voraussetzung. Diese Orientierungshilfe entlastet die Leser kognitiv und erhöht die Verständlichkeit wissenschaftlicher Texte deutlich. Wer gute Paper schreiben möchte sollte unbedingt mit der Introductory Phrase arbeiten.

‘Respectively’ im Paper richtig verwenden

Neben der Introductory Phrase wirst du sicherlich auch das Wort respectively in deinem Paper verwenden, denn auch respectively ist ein wichtiges Tool, um die Informationslogik im Wissenschaftsenglisch zu optimieren. Richtig eingesetzt, verknüpft respectively zwei Gruppen, Patienten oder Moleküle eindeutig mit ihren jeweiligen Messergebnissen – kompakt und ohne Wiederholungen. Problematisch wird es nur in sehr langen Sätzen, in denen die richtige Zuordnung eventuell über die Satzlänge verloren geht. Dann ist Klarheit wichtiger als Kürze. Wichtig: Respectively ist kein Ersatz für das deutsche „beziehungsweise“, auch wenn es häufig fälschlich so verwendet wird.

Adverbien und andere Modifier in wissenschaftlichen Texten

Besonders unterschätzt, aber inhaltlich sehr relevant, ist die Stellung von Adverbien und anderen Modifiers. Im Scientific English entscheidet ihre Position darüber, welches Wort tatsächlich modifiziert wird. Ein falsch platziertes Adverb oder ein verrutschter Modifier kann die Aussage zu Symptomen, Molekülen oder Methoden ungewollt verfälschen. Wer wissenschaftliche Texte auf Englisch schreiben will, sollte sich daher immer fragen: Was genau soll hier spezifiziert werden? Erst wenn Modifiers logisch korrekt platziert sind, entsteht Präzision.

Typische Fehler von Non-Native Speakern

Häufige und peinliche Fehler im Scientific English

Nicht-Muttersprachler verraten sich im wissenschaftlichen Englisch oft durch kleine, aber wiederkehrende Fehler. Dazu zählen peinliche Fehler bei formalen Dingen wie dem Dezimalpunkt statt des deutschen Kommas und schwere Fehler wie falsche Zeitformen, unklare Verknüpfungen oder zu starke Verben für unsichere Daten (indicate statt suggest). Hinzu kommen klassische Stil- und Grammtikfallen wie following statt after, inflationäres oder falsch verwendetes however, der Wechsel im Manuskript zwischen amerikanischen und britischen Englisch sowie Unischerheiten bei to– und –ing Konstruktionen. Diese Fehler sind inhaltlich nicht entscheidend, schwächen aber den Gesamteindruck eines Papers. In zwei Blogartikeln gehe ich speziell auf die genannten Fehler ein:

Studien zum Wissenschaftsenglisch: Welche Fehler wiegen schwer?

Studien zum Wissenschaftsenglisch zeigen, dass nicht einzelne Wort- oder Grammatikfehler entscheidend für die Akzeptanz eines Papers sind, sondern die allgemeine Klarheit des Textes. Gerade deutsche Autoren und Autorinnen neigen zu zu langen und verschachtelten Sätzen, übermäßigem Passiv und häufigen Nominalisierungen. Das macht Texte schwer lesbar und ist dazu auch noch ziemlich „retro“, denn während früher die Schwerverständlichkeit eines Papers geradezu als ein Merkmal von wissenschaftlicher Qualität galt, versuchen die Profis heute straight to the point klar und überzeugend zu schreiben.