Dr. Stefan Lang am 04. März 2026
Research Paper schreiben: Leitfaden für Originalartikel in Medizin & Life Sciences
Um ein gutes Research Paper schreiben zu können, benötigst du einen guten Plan. Viele junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen scheitern nämlich nicht am fehlenden Fachwissen oder an zu schlechten Englischkenntnissen. Den meisten mangelt es an Struktur – an Erfahrung mit den Paper-typischen Textstrukturen und an einer strukturierten Arbeitsweise. Die Folge sind dann holprige Texte, eine unklare Argumentation, zahllose Überarbeitungsrunden und schließlich die Ablehnung durch das Fachjournal.
Wer ein gutes Scientific Paper veröffentlichen möchte, sollte die wissenschaftlichen Gepflogenheiten in seinem Bereich kennen: die typischen Argumentationsmuster und Textstrukturen sowie die gängigen formalen und stilistischen Anforderungen. Außerdem sollte man den Aufbau und die Logik des Schreibprozesses beherrschen. Denn das erleichtert auch die Zusammenarbeit mit den Ko-Autoren und Ko-Autorinnen. Worauf es also beim Research Paper Schreiben ankommt, zeige ich dir in diesem Artikel.
Aufbau eines Research Papers – die bewährte IMRAD-Struktur
Ein Research Paper im Bereich Life Science (Medizin, Biologie) enthält in der Regel diese Abschnitte: Introduction, Methods, Results, And Discussion (kurz IMRAD). Die Namensgebung kann variieren (z.B. „Background“ statt „Introduction“), aber inhaltlich folgt jedes Research Paper diesem Aufbau. Eingeleitet werden diese Abschnitte („text body“) durch den Abstract.
Abstract – die Blaupause des Papers

Ein Research Paper beginnt immer mit dem Abstract, der die gesamte Story des Papers im Kleinen abbildet: vom wissenschaftlichen Hintergrund über die exakte Fragestellung oder Zielsetzung und Methodik bis zu den zentralen Ergebnissen und der Schlussfolgerung (oft kombiniert mit einem Ausblick, der Implication).
Wer seinen Abstract früh im Schreibprozess formuliert, kann Story und Fokus gezielt prüfen und mit den Ko-Autoren abstimmen. Dadurch erhält man eine fundierte Blaupause für das spätere Paper, die den gesamten Schreibprozess unterstützt.
Kurz bevor man sein Paper bei einem Fachjournal einreicht, sollte man seinen Abstract noch einem gezielt optimieren. Eine Herausforderung ist hierbei, den zulässigen Word Count einzuhalten. Doch dafür gibt es ein paar Tricks, die ich in diesem Blogbeitrag erkläre: Abstract zu lang? So kürzen Sie den Abstract!
Introduction mit Fragestellung oder Zielsetzung
Die Introduction liefert das Hintergrundwissen, das man braucht, um Inhalt und Bedeutung des Papers verstehen zu können. Dabei ist nur der erste Satz relativ allgemein gehalten. Bereits mit dem zweiten Satz fokussiert sich eine gute Introduction auf das spezifische Thema des Artikels.
Der letzte Absatz der Introduction ist eine entscheidende Stelle im Paper. Der dort präsentiert man Leser und Leserin seine Fragestellung oder Zielsetzung. Diese muss präzise und prägnant sein (und durch die Ergebnisse beantwortet werden) und muss zu 100% zur späteren Schlussfolgerung in der Discussion passen. Denn nur so entsteht ein stringentes und gut publizierbares Research Paper.
Methods – maximale Präzision gefragt
Die Methods-Section entscheidet über die Glaubwürdigkeit deines Research Papers. Fehler und Ungenauigkeiten fallen den Gutachtern während des Peer-Review-Verfahrens sofort auf und wecken Zweifel an der wissenschaftlichen Sorgfalt. Das Zauberwort lautet Reproduzierbarkeit: Alle Materialien und Methoden müssen so exakt beschrieben werden, dass andere Forscher das Experiment exakt wiederholen können.
Results – Ergebnisse klar strukturieren

Die Result-Section ist der Kern deines Papers. Hier beantwortest du schrittweise die Fragestellung, belegst deine Aussagen mit Daten und veranschaulichst deine Zahlen in Abbildungen oder Tabellen. Dieser Abschnitt darf also kein unstrukturiertes Datenlager sein, sondern sollte eine wissenschaftliche Story erzählen.
Jeder Absatz sollte im Ergebnisteil ein Experiment oder einen wichtigen klinischen Befund abbilden. Daher besitzen Absätze im Ergebnisteil eine innere Struktur aus (1) Zielsetzung, (2) experimentellem Ansatz, (3) Daten und (4) Schlussfolgerung. Stilistisch erfordert der Ergebnisteil maximale Klarheit mit kurzen und präzisen Sätzen und bewusst gewählten Satzanfängen: Schreib-Tipps für die Results.
Discussion das Herzstück des Originalartikels
Mit der Discussion zeigst du, dass du wissenschaftlich denken kannst, dass du die Fachliteratur auf deinem Gebiet kennst und du deine eigenen Ergebnisse kritisch reflektieren kannst. Daher hat die Discussion meist einen dreiteiligen Aufbau: zu Beginn die Beantwortung der Forschungsfrage, dann der Abgleich mit Literaturdaten und die Diskussion methodischer Einschränkungen und abschließend eine prägnante Take-home-message.
Zugegeben, in einer guten Diskussion steckt sehr viel Arbeit. Aber eine gut strukturierte und klar formulierte Diskussion besitzt eine hohe Überzeugungskraft und verbessert die Publikationschancen deutlich.
Workflow: Wie schreibt man ein Paper effizient?
Wie lange dauert es, ein Paper zu schreiben?

Die Frage, wie lange man für sein Scientific Paper braucht, hängt stark vom Stand der Ergebnisse, der Vorbereitung (z.B. Recherchen) und von der Zusammenarbeit mit den Ko-Autoren und Ko-Autorinnen ab. Im Idealfall, wenn alle Ergebnisse ausgewertet und interpretiert vorliegen, die Zusammenarbeit mit den Ko-Autoren geschmeidig verläuft und man strukturiert arbeitet, kann die erste Manuskriptversion in 40 bis 60 Stunden entstehen.
So sieht der Zeitplan ungefähr aus: Konzept & Outline (10–15 h), Schreiben (35–50 h), Überarbeitung und Finalisierung. Werden die Ko-Autoren und Ko-Autorinnen erst spät mit eingebunden erhöht sich die Zeit für die Überarbeitung oft beträchtlich.
Wer insgesamt die Dauer fürs Paper-Schreiben optimieren möchte, sollte immer besonders planvoll vorgehen und am besten bereits bei der Arbeit im Labor an die spätere Publikation denken. D.h., man sollte systematisch alle publikationsrelevanten Details im Laborbuch vermerken. Das kann später viel Zeit ersparen.
Von der ersten Manuskriptversion bis zur Annahme des Papers durch ein Fachjournal können Wochen bis Monate vergehen. Es kann durchaus bis zu einem halben Jahr dauern, bis das Paper publiziert ist. Das hängt natürlich besonders vom Feedback des Journals und den notwendigen Verbesserungen ab.
Die Zusammenarbeit mit Koautoren und Koautorinnen effizient gestalten
Wissenschaftliche Paper werden gemeinsam geschrieben. Der Zeitbedarf hängt also auch stark von der Zusammenarbeit mit den Ko-Autoren und dem gemeinsamen Workflow ab. Wenn sich alle Beteiligten frühzeitig über Kernaussagen, Paper-Typ (Hypothesen-Paper oder deskriptiv) und Ziel-Journal abgestimmt haben, kann der erste Manuskriptentwurf zügig erstellt werden.
Dieser Entwurf wird dann von den Ko-Autoren kommentiert, wobei der Erstautor das erhaltene Feedback kategorisieren sollte: in unstrittige und direkt umsetzbare Kommentare und Kommentare mit Diskussionsbedarf. Konzentriert man sich dann in einem Meeting auf die strittigen Punkte, kann man den Weg bis zur Finalisierung des Papers drastisch abkürzen. Auch die Zusammenarbeit mit den Koautoren erfordert also eine strukturierte Arbeitsweise, denn nur so lassen sich zeitraubende Korrekturschleifen minimieren.
Der Stil im Scientific Papers: prägnant und verständlich
Fragt man erfahrene Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zum Schreibstil eines Scientific Paper, dann hört man oft: „Straight to the point“. Das bedeutet kurze Sätze, eine klare und präzise Wortwahl und keine unnötigen Wiederholungen. Fachbegriffe sollten einheitlich verwendet und dekorative Wörter gestrichen werden.
Eine zweite Forderung an den Stil eines Fachartikels auf Englisch ist die Prägnanz. Prägnant zu formulieren bedeutet, unter verschiedenen Formulierungsalternativen immer die kürzeste für seinen Originalartikel zu wählen (Originalartikel prägnant schreiben). Das bezieht sich auf Sätze, aber auch auf Wörter. Besonders wichtig ist außerdem, mehrdeutige oder vage Formulierungen unbedingt zu vermeiden. Denn dann treten die Fakten deutlich hervor, die wissenschaftliche Argumentation wird klar und das Paper überzeugt.
Fazit – ein gutes Research Paper ist planbar
Für den Erfolg eines Papers ist also eine systematische Arbeitsweise entscheidend. Jeder kann hier seine eigene Schreibstrategie entwickeln, doch ein insgesamt planvolles Vorgehen ist einfach die entscheidende Voraussetzung.
Wie im Labor hilft natürlich auch hier eine klare Anleitung, ein Protokoll, um sein Research Paper effizient und strukturiert zu schreiben. Das Paper-Protokoll gliedert alle notwendigen Arbeitsschritte in Planungs- und Schreibphasen, die man systematisch abarbeiten kann. Es sorgt für den roten Faden im Paper und hilft, typische Stolperfallen zu vermeiden. So kommt man dann ohne Frust an sein Ziel.

FAQ zum Paper schreiben
Ein Research Paper ist ein wissenschaftlicher Originalartikel, der neue experimentelle oder klinische Ergebnisse präsentiert, methodisch nachvollziehbar dokumentiert und in den bestehenden Forschungsstand eingeordnet. In den Bereichen Medizin und Life Sciences folgt ein Paper in der Regel der IMRAD-Struktur (Introduction, Methods, Results, And Discussion).
Der klassische Aufbau besteht im Kern aus Titel, Abstract, Einleitung, Methoden, Ergebnissen, Diskussion und Literaturverzeichnis. Daneben gibt es je nach Fachjournal formale Abschnitte wie Authors contributions, Acknowledgement, Funding.
Ein guter Abstract fasst die komplette Geschichte des Papers zusammen: Hintergrund, Fragestellung oder Zielsetzung, Methodik, zentrale Ergebnisse und Schlussfolgerung. Er sollte präzise und knapp formuliert sein, ohne wichtige Details auszulassen, und exakt zum restlichen Manuskript passen. Ein wichtiges Kriterium ist auch die Länge des Abstracts, die meist durch die Fachjournale in den Instruction to authors vorgegeben wird.
Die Fragestellung wird meist als „Ob-Frage“ formuliert. Da eine solche Frage nur durch ja oder nein beantwortet werden kann, wird hier eine Hypothese getestet. Die Zielsetzung beschreibt dagegen, was mit der Studie erreicht oder untersucht werden soll. Beide müssen klar formuliert sein und logisch zur Schlussfolgerung im Diskussionsteil passen.
Die Methoden müssen so präzise beschrieben sein, dass andere Forschende das Experiment oder die Analyse vollständig reproduzieren können. Ungenaue Angaben zu Materialien, Protokollen oder statistischen Methoden führen im Peer-Review-Verfahren schnell zu Kritik oder Ablehnung.
Der Ergebnisteil sollte keine Datensammlung sein, sondern eine klare wissenschaftliche Argumentation abbilden. Idealerweise behandelt jeder Absatz ein Experiment oder einen zentralen Befund und folgt einer inneren Logik.
In der Diskussion werden die Ergebnisse interpretiert, in den Kontext der bestehenden Literatur eingeordnet und kritisch reflektiert. Dazu gehören auch methodische Limitationen und eine klare Kernaussage. Vor allem beantwortet die Diskussion die Fragestellung oder präsentiert eine zusammenfassende Schlussfolgerung.
Wenn die Datenauswertung abgeschlossen und der Schreibprozess gut strukturiert ist, kann eine erste Manuskriptversion in etwa 40 bis 60 Stunden entstehen. Deutlich länger dauert es bei unklaren Absprachen mit Koautoren und Koautorinnen, denn dann werden zahlreiche Überarbeitungsrunden fällig.
Häufige Gründe sind die fehlende Originalität (nicht neu genug), methodische Probleme, eine unklare Argumentation und fehlende Struktur oder sprachliche Fehler.
Er ist entscheidend für die Verständlichkeit und Überzeugungskraft. Beim Scientific Writing sind kurze Sätze, eine präzise Wortwahl, konsistente Terminologie und das Vermeiden inhaltlicher Wiederholungen wichtig. Ein klarer Stil verbessert die Lesbarkeit und somit auch die Publikationschancen.
Ja, denn Research Paper schreiben ist eine erlernbare Fähigkeit. Wer die typischen Textstrukturen kennt, den Schreibprozess systematisch plant und wiederkehrende Muster beherrscht, kann die Qualität, die Effizienz und den Publikationserfolg deutlich steigern.